Caren Miosga im Interview: Was sie Donald Trump fragen würde

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13.04.2026 um 17:00 Uhr
    Caren Miosga im Interview: Was sie Donald Trump fragen würde | © HÖRZU
    Caren Miosga begrüßt das Publikum vor ihrer Sendung am Sonntagabend. | ©HÖRZU

    Wie entsteht der wichtige Polit-Talk? HÖRZU durfte die Moderatorin einen Tag backstage begleiten – als erstes Medium überhaupt.

    Nach der ARD-Sendung „Caren Miosga: Sorgen Sie sich um unsere Demokratie, Herr Gauck?“ vom 15. März erscheinen in zwei Zeitungen Kritiken. „Die Zeit“ lobt: „Und dann schimpft er herrlich.“ Die „SZ“ kritisiert: „Verheddert im Dickicht der Themen.“ Zwei sehr verschiedene Blickwinkel. Caren Miosga (56) findet das interessant. „Das zeigt vor allem, wie unterschiedlich TV-Kritiker Sendungen wahrnehmen“, meint sie, als HÖRZU sie im Interview darauf anspricht. Es sei eben immer auch eine „Frage der Erwartungshaltung“.

    Was die Zuschauer nicht sahen? Was alles hinter der Sendung steckt, wer sie vorbereitet – und welches Geheimnis sich unter Miosgas Studiotisch verbirgt. HÖRZU war das erste Medium, das die Moderatorin hinter die Kulissen blicken ließ.

    Was war Ihr erster Gedanke am vergangenen Sonntag um 22.45 Uhr, als die Sendung vorbei war und das Licht im Studio wieder anging?

    Schade, dass es schon vorbei ist.

    Wenn Sie Ihren Talk vom letzten Sonntag wie einen Film betrachten - welches Genre war das am ehesten? Ein Kammerspiel? Ein Politthriller? Oder eine leise Charakterstudie?

    Ein Kammerspiel mit Aha-Effekt.

    Ist das Genre aus Filmperspektive – gefühlt - Sonntag für Sonntag dasselbe?

    Nein, jede Sendung ist anders. Im besten Fall erkenntnisreich, hoffentlich immer interessant, manchmal spannend, und unterhaltsam darf es auch gern mal sein.

    War „Caren Miosga“ am 15.3. eine „typische“ Sendung?

    Im Grunde genommen ja, weil wir mit einem einzelnen Gast begonnen und die Runde dann mit zwei weiteren Gesprächspartnern geöffnet haben. Andererseits auch wieder nicht, weil Menschen eben unterschiedlich sind. Und so unterschiedlich die Gäste sind, so unterschiedlich verläuft jede Sendung.

    Vor der Sendung: Die Moderatorin mit einem Double, das Joachim Gauck darstellt | ©HÖRZU

    Welcher Moment während des Live-Talks mit Joachim Gauck für Sie „der eine, große, spannendste Moment“?

    Da gab es einige, aber als Joachim Gauck über das Völkerrecht sprach, da war das schon ein besonderer, weil ehrlicher Moment. Weil er zugestand, dass auch durch ihn ein innerer Riss geht – einerseits das Völkerrecht bewahren, andererseits etwas tun, wenn Menschen wie im Iran unterdrückt werden.  

    Gauck, Jäkel, Rietzschel – das war ein ungewöhnlicher Mix: ein Ex-Bundespräsident, eine Medienmanagerin und ein junger Autor – wie entstand die Idee zu dieser Runde?

    Joachim Gauck und Lukas Rietzschel stehen für zwei Generationen ostdeutscher Erfahrung mit Staat und Demokratie – der eine geprägt von der Diktatur, der andere von den Enttäuschungen der Nachwendezeit und der Frage, wie Erfahrungen von einst in der Gegenwart fortwirken. Beide eint die Frage, warum Vertrauen in demokratische Strukturen verloren geht. Julia Jäkel brachte als Mitinitiatorin der ,Initiative für einen handlungsfähigen Staat‘ die Perspektive ein, dass Menschen womöglich Vertrauen zurückgewinnen, wenn wieder auf mehr Verlass ist – und sei es nur der Fahrplan der Deutschen Bahn. 

    Haben sich einer oder mehrere Gäste anders verhalten als erwartet?

    Nein, aber das lässt sich in einer Livesendung ohnehin nie planen. Da kann alles passieren.

    Die SZ titelte im Anschluss: „Verheddert im Dickicht der Themen", die „Zeit“: „Und dann schimpfte er (gemeint ist Gauck) herrlich". Zwei Blätter, zwei völlig verschiedene Sendungen – zumindest in der Wahrnehmung. Was sagt diese Spannbreite über Ihr Format?

    Das zeigt vor allem, wie unterschiedlich TV-Kritiker Sendungen wahrnehmen. Ein Effekt, den wir schon kennen: Die einen sehen es so, die anderen ganz anders. Das ist auch immer eine Frage der Erwartungshaltung an die Sendung. Für uns ist das als Teil der Diskussion über die Rezeption von Sendungen trotzdem wichtig.

    Wenn Sie selbst Kritikerin wären – was war an diesem Abend besonders gelungen?

    Mir hat vor allem gefallen, wie offen Joachim Gauck über seine Gedanken und auch sein Hadern gesprochen hat. Und wie er anschließend mit den anderen beiden ins Gespräch kam. Dieser Studiotisch wirkt manchmal Wunder.

    Was hätten Sie im Nachhinein anders gemacht?

    Lukas Rietzschel sprach über die AfD und die Frage, warum er es falsch findet, immer nur danach zu fragen, warum Leute AfD wählen. Stattdessen möchte er lieber anerkennen, dass diese Leute sich überhaupt für Politik interessieren und sie ernster nehmen. Darüber hätte ich gerne noch länger gesprochen. Aber unsere Sendung hat eben auch zeitliche Grenzen.

    „Caren Miosga“ entsteht in Berlin-Adlershof. Beim HÖRZU-Besuch hatte die Moderatorin Ex-Bundespräsident Joachim Gauck zu Gast. In der Mitte unser Chefreporter Mike Powelz. | ©HÖRZU

    Demokratie wird inzwischen überall diskutiert – auf Demos, bei TikTok, aber auch in Podcasts. Haben Sie nach der Sendung gemerkt, dass Ihre Sendung wirklich was ausgelöst hat – und dass sie nicht nur ein weiterer Talk war?

    Das wäre ein vermessener Anspruch. Wir sehen aber, dass Aussagen unserer Gäste in die Nachrichtenlage der folgenden Tage einfließen und dass Zuschauer auf social media darüber diskutieren. Wenn uns das gelingt, haben wir doch schon was erreicht.

    Verbringen Sie nach dem Ende der Show immer noch so viel Zeit mit Ihren Talkgästen im Studio wie am letzten Sonntag? Und worüber haben Sie im Anschluss an die Sendung noch länger mit Gauck, Jäkel und Rietzschel geredet?

    Es war schon toll, sie haben einfach weitergesprochen, auch ohne Kameras. Das hätte mühelos noch eine Stunde weitergehen können.

    Wie lange haben Sie im Anschluss ans Verlassen des Studios noch Zeit mit Gauck, Jäkel und Rietzschel in jenem Bereich verbracht, wo sich während des Talks die Begleitpersonen der Gäste aufgehalten hatten – und wann war für Sie final Feierabend?

    Das hängt nicht zuletzt von unseren Gästen ab. Manche bleiben länger, manche kürzer. Ich selbst bin meist um zwei Uhr nachts zuhause.

    Schlafen Sie nach einer Sendung wie der vom letzten Sonntag sofort ein und gut durch oder „arbeitet“ der Abend noch lange in Ihnen? (Falls sich das nicht generell beantworten lässt: wie war das letzten Sonntag?)

    Der Sonntag ist für mich ein 16-Stunden-Arbeitstag. Ich brauche einen Moment, um herunterzukommen. Tee vor dem Schlafengehen hilft.

    Vor der Sendung: Wie viele Fragen hatten Sie vorbereitet?

    Ich zähle sie nicht. Einige Fragen passe ich während der Sendung an, vieles fällt sogar ganz weg. Livegespräche entwickeln sich eben dynamisch.

    Lassen Sie sich beim Formulieren Ihrer Fragen von KI inspirieren?

    Bitte nicht. So viel Inspiration müssen meine Redaktion und ich schon noch selbst aufbringen.

    Was man im TV nicht sieht: Der Tisch im Studio wird vergrößert. Für die TV-Zuschauer bleibt diese Verwandlung unsichtbar, denn während des Umbaus wird ein maximal 90-sekündiger Film ausgestrahlt, ein sogenannter „Einspieler“. Kurios: Unter dem Gestell des Tischs liegt eine Stahlplatte, die in den Boden eingeschweißt wurde. Ohne sie würde der Tisch kippen, sobald sich jemand drauflehnt. | ©HÖRZU

    Wie bauen Sie Ihr Interview mit dem Hauptgast typischerweise dramaturgisch auf – und haben Sie eine feste Struktur auf Ihren Zetteln?

    Ich möchte verstehen, warum insbesondere Politiker handeln wie sie handeln. Ihre Motivation klären, hinter ihre Beweggründe blicken. Daraus leitet sich alles Weitere ab.

    Sie begrüßen Ihre Gäste erst relativ kurz persönlich vor der Sendung, bei unserem Backstage-Report um 21.30 Uhr. Warum erst 15 Minuten vor dem Live-Talk?

    Ich möchte mit unserem Gespräch nicht schon vor der Sendung beginnen, das soll erst im Studio vor Ohren und Augen unserer Zuschauer stattfinden.

    Politiker kommen zu Ihnen, weil Sie was wollen – mal Deutungshoheit, mal Sympathie, mal Zeit im TV. Haben Sie manchmal das Gefühl, von so manchem Gast unterschätzt zu werden – und was halten Sie von der Ansicht über Sie, eine „leise Mörderin“ zu sein?

    Haha, wer sagt denn sowas! Ich lege Wert darauf, dass unsere Gäste lebendig und trotz unangenehmer Fragen hoffentlich gut gelaunt aus dem Studio gehen.

    Was ist Ihnen als Journalistin bei einem Gast lieber – ein Politiker, der die Zähne nicht auseinanderkriegt oder einer, der lügt oder einer, der die ganze Zeit versucht, elegant auszuweichen?

    Da haben Sie schön zusammengefasst, aus welchen Herausforderungen meine Arbeit besteht. Am allerliebsten ist mir, wenn sich jemand ernsthaft auf ein Gespräch einlässt.

    Andere Talkformate leben vom konstanten Schlagabtausch. Fehlt Ihnen dieses Moment manchmal oder ist das Effekthascherei ohne echten Erkenntnisgewinn?

    Erkenntnisgewinn lässt sich auf vielerlei Wege erzielen- auch in einem Gespräch, in dem man nicht aufeinander eindrischt.

    Sie hatten Chrupalla im Februar 2026 eingeladen – und wurden dafür scharf kritisiert: für den Sendungstitel, der Trump normalisiere, und grundsätzlich für die Einladung und den Umgang mit AfD-Politikern, gegen die rund 50 Medienschaffende protestierten. Wie lange hat das nachgehallt, was hat das mit Ihnen gemacht?

    Wir diskutieren solche Entscheidungen in der Redaktion sehr intensiv. Als größte Oppositionspartei im Bundestag ist die AfD eine  politische Kraft, mit der wir uns journalistisch auseinandersetzen müssen – entscheidend ist, wie man das tut. Für mich heißt das: Sehr genau vorbereiten, in den Fragen konsequent bleiben und versuchen Widersprüche offenzulegen. Und ja, diese Sendung hat nachgehallt, schon weil die Kritik sehr grundsätzlich war. Aber das müssen wir aushalten.

    Bei der Abnahme der Einspielfilme sitzt Miosga neben Regisseur Michael Giehmann. | ©HÖRZU

    Sie waren mit dem Anspruch gestartet, politische Gespräche in einer neuen Form auf den Bildschirm zu bringen. Wo haben Sie seit dem Start am meisten dazugelernt? Oder anders gefragt: Welche wichtigen „Learnings“ haben Sie seit der Premiere von „Caren Miosga“ im Laufe von über 2 Jahren gemacht?

    Die Grundelemente der Sendung haben sich bewährt, es gab keinen Anlass, daran grundsätzlich etwas zu verändern. Dazugelernt haben wir vor allem im Detail – also darin, wie flexibel wir beispielsweise Einspielfilme oder schnellere Fragerunden einsetzen. Nach zwei Jahren sind wir trittsicherer geworden.

    Gab‘s eine Sendung, bei der Sie sich die Aufzeichnung angeschaut haben und gedacht haben: Das war unter meinen Möglichkeiten, das war nicht ich? Und falls ja, welche – und wieso?

    Klar, das kommt vor. Ich bin generell selten vollends zufrieden mit mir.

    Die Quoten geben Ihnen recht. Fühlen Sie sich dadurch bestätigt oder potenziert das eher den Druck, Ihren Ansatz weiterzuentwickeln?

    Wir entwickeln uns ständig weiter. Die heutigen Sendungen unterscheiden sich, zumindest in den Details, deutlich von den ersten.

    Würden Sie gern länger als 60 Minuten talken?

    Mit manchen Gästen gern. Aber mit einer ganzen Stunde sind wir schon schön beschenkt.

    Welcher Gast hat Ihnen bislang immer abgesagt?

    Wir sprechen prinzipiell nicht über unsere Gäste, auch nicht über die potentiellen. Das gehört für uns zur Diskretion dazu.

    Wenn Sie völlig freie Wahl – und die Sicherheit einer Zusage – hätten: Wen würden Sie einladen?

    Da gibt es viele, hypothetisch. Dabei geht es allerdings nicht unbedingt immer um Prominenz. Kluge Menschen, die die komplexen Probleme unserer Zeit erklären und Perspektiven aufzeigen können, stehen auf dem Wunschzettel ganz oben.

    Was würden Sie Trump als Erstes fragen?

    Ich würde wissen wollen, was er wirklich von Wladimir Putin hält.

    Und was Putin?

    Putin wollte ich lange Zeit interviewen, aber derzeit erscheint mir das als wenig sinnvoll. Den meisten Interviewern hält er endlos lange historisch (falsche) Vorträge und verbittet sich Zwischenfragen.

    Haben Sie ein Ritual – also etwas, dass Sie immer tun, bevor die Kamera angeht?

    Meine Lutschpastillen aus dem Mund nehmen.

    Wenn wir dieses Gespräch live im Fernsehen geführt hätten – welche Frage hätten Sie am liebsten übersprungen und weshalb?

    Wer sich auf ein Interview einlässt, sollte jede Frage beantworten.