Ende einer Ära: Die letzte Staffel „Babylon Berlin“ - HÖRZU war am Set

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19.09.2026 um 15:00 Uhr
    Ende einer Ära: Die letzte Staffel „Babylon Berlin“ - HÖRZU war am Set | © ARD
    Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) und Gereon Rath (Volker Bruch) erleben Berlin in unruhigen Zeiten. | ©ARD

    Die fünfte und letzte Staffel von „Babylon Berlin“ führt Gereon Rath und Charlotte Ritter mitten hinein in die dramatischen Wochen von Hitlers Machtantritt. HÖRZU war bei den Dreharbeiten dabei und sprach mit Regisseur Tom Tykwer über spektakuläre Szenen, überraschende Wendungen – und den Abschied von einer der erfolgreichsten deutschen Serien.

    Berlin, 1933. Als mehrere Männer nacheinander sterben – scheinbar ohne Zusammenhang –, stoßen die Ermittler Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) auf ein brisantes Geheimnis. Der Psychiater Dr. Edmund Forster (Ulrich Noethen) soll Adolf Hitler, den mächtigsten Mann Deutschlands, kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs 1918 in einem Lazarett behandelt haben. Ein finsteres Kapitel, das so gar nicht zum Mythos vom kerngesunden „Führer“ passt – weshalb jetzt offenbar alle, die davon wissen, darunter ehemalige Mitpatienten, aus dem Weg geräumt werden sollen.

    Mit dieser fiktiven Mordserie, die Hitlers Machtantritt und ein rätselhaftes Kapitel seiner Vergangenheit miteinander verknüpft, eröffnet die fünfte und letzte Staffel der preisgekrönten, in mehr als 140 Länder verkauften Erfolgsserie „Babylon Berlin“. Die Serie stammt von Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten.

    "Babylon Berlin": Folge 1-4 der 5. Staffel am Sa, 19.09. im Ersten (20:15)

    HÖRZU traf Tykwer bei den Dreharbeiten in Berlin. Über die Recherche zur finalen Staffel schwärmt er: „Wir sind auf so spektakuläre und unerzählte Geschichten gestoßen, dass es mich wirklich sprachlos macht.“ Die faszinierendste, so Tom Tykwer weiter, sei die des von Ulrich Noethen dargestellten Psychiaters, der über gefährliches Insiderwissen verfügt. Forster wird in der Serie gejagt und trifft auf der Flucht auf frühe Widerstandskämpfer in einem Pariser Café.

    Ulrich Noethen, erzählt Tykwer, verkörpere eine „düstere, komplexe Figur, die wirklich großen Einfluss auf die Geschichte hätte nehmen können“. Erzählt wird die spannende Geschichte in einem Zeitfenster von fünf Wochen – „zwischen der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler und den von ihm ausgerufenen Neuwahlen“, erklärt Tom Tykwer.

    Kurz zuvor findet der glanzvolle Berliner Presseball statt, das letzte rauschende Fest der Weimarer Republik – jene Szene, bei deren Dreh HÖRZU dabei ist. Diese sei als ein kompliziertes Katz-und-Maus-Spiel aufgezogen und würde ein bisschen an eine Sequenz aus „Mission: Impossible“ erinnern. 130 Komparsinnen und Komparsen verwandeln den Pariser Platz in eine Ballnacht vor dem Untergang, Nebelmaschinen tauchen die Szenerie in gespenstischen Dunst. Während drinnen getanzt wird, übernehmen draußen, direkt vor dem Brandenburger Tor, SA-Kolonnen die Macht auf der Straße. Mittendrin: Charlotte, die vom Ballgeschehen hinaustritt in das nächtliche Berlin – eine Stadt, die im Begriff ist, eine andere zu werden. Am Ende der fünf Wochen steht der Reichstagsbrand, für Regisseur Tom Tykwer das starke visuelle Symbol für das Ende der Demokratie.

    Naziterror in Berlin: SA-Männer führen Chefredakteur Heymann (Martin Wuttke) ab. | ©ARD

    Der Name Adolf Hitler würde in Staffel 5 zwar allgegenwärtig sein, spiele jedoch als Charakter (dargestellt von Clemens Schick) keine allzu zentrale Rolle im Bewegungsradius der Hauptfiguren. Man habe ihn bewusst auf Abstand halten wollen, so Tykwer.

    Für eine völlig andere Sequenz in der neuen Staffel verschlug es die gesamte Crew von „Babylon Berlin“ für mehrere Tage nach Hamburg. Der Plenarsaal im Rathaus der Hansestadt ist der einzige in Deutschland, der noch weitgehend original erhalten ist und sich seit 130 Jahren kaum verändert hat. Mit schweren Kronleuchtern, Holzbänken sowie authentischer Wand- und Deckenverkleidung diente der Saal samt angrenzenden Räumen daher als dankbare Kulisse für die Serie, die wie keine andere bekannt dafür ist, Wert auf historische Details zu legen.

    Elisabeth (Fritzi Haberlandt), Litten (Trystan Pütter, M.) und Katelbach (Karl Markovics) wollen Hitler als Reichskanzler verhindern. | ©ARD

    Die Vorlage für die letzte Staffel sei, so Tykwer, Volker Kutschers Ro man „Märzgefallene“ gewesen, erschienen 2014. Jeder Charakter stehe nun vor der Frage, für welche Seite er sich entscheidet: „Wohin gehst du? Wo stehst du? Man kann sich nicht mehr verstecken.“ Das gilt selbst für das eingespielte Team Gereon Rath und Charlotte Ritter. Endlich leben die beiden zusammen – doch ausgerechnet jetzt hüten sie jeweils ein Geheimnis. Charlotte treibt es auf eine geheime Mission bis nach Paris. Und Gereon? Seine eigene Kriegsvergangenheit verbindet ihn mit dem Fall – dann verschwindet der Kommissar spurlos…

    Weil Liv Lisa Fries während der Produktion krankheitsbedingt ausfiel, musste der Dreh unterbrochen und neu getaktet werden – erst Anfang Dezember 2025 fiel die letzte Klappe. Am Ende, so Tykwer, sei jedoch alles gut ausgegangen. Und mehr noch: Der Showdown hält einige Überraschungen parat. Auf Lars Eidingers Figur Alfred Nyssen wartet laut Tykwer „ein spektakuläres Finale“. Zum Schluss gibt es zudem in einer Art Rückblick ein Wieder sehen mit vielen vertrauten Gesichtern aus früheren Staffeln.

    HÖRZU-Chefreporter Mike Powelz mit "Babylon Berlin"-Star Volker Bruch.  | ©Mike Powelz

    Eine Geschichtsstunde allerdings, betont Tom Tykwer zum Abschluss des Interviews, sei die Serie niemals gewesen – obwohl die Wirklichkeit ihre Erzählung immer wieder fast überholt habe: „Das, was wir erzählen, ist unsere Gegenwart im Spiegel der Geschichte von vor 90 Jahren.“ Unterhaltung zu schaffen, die die Zuschauer mit genau den Fragen konfrontiere, mit denen sie morgens aufwachen – das sei sein Ziel. Die Serie beziehe dabei ganz klar Position. Und vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieses Welterfolgs.

    "Babylon Berlin": Vier Folgen am Stück am 19.9. und die vier letzten am Freitag, 25.9. jeweils ab 20.15 Uhr im Ersten und alle Staffeln komplett in der ARD-Mediathek.