Matthias Schweighöfer über seine neue Rolle im Thriller „Vanished“ und seine großen Pläne in Hollywood.
Mit Kinoerfolgen wie „Keinohrhasen“ (2007) spielte Matthias Schweighöfer sich früh in die erste Riege des deutschen Films. 2009 überzeugte er als Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in der TV-Filmbiografie „Mein Leben“, 2010 bewies er im „Tatort: Weil sie böse sind“ Talent für düstere Figuren. International bekannt wurde der 1981 in Anklam geborene Schauspieler und Produzent durch Netflix-Hits wie „Army of the Dead“ (2021) und „Army of Thieves“ (2021). Im neuen Mysterythriller „Vanished“ (ab Fr, 13. März in der ARD-Mediathek, Sa, 21.03., 22 Uhr im Ersten) zeigt er sich nun als undurchsichtiger Charakter in seiner bislang ambivalentesten Rolle.
Ein Passagier der ersten Klasse, der auf einer Zugfahrt verschwindet. Seine Geliebte, die ihn in allen Abteilen sucht, aber nicht finden kann. Der undurchsichtige Vorgesetzte des Vermissten, der der verzweifelten Frau seine Unterstützung anbietet – gespielt von Matthias Schweighöfer in seiner ersten internationalen Hauptrolle. Für die Mysterythrillerserie, gedreht an Originalschauplätzen in Paris und Marseille, stand der 45-jährige Deutsche neben berühmten Kollegen wie Kaley Cuoco (40, „The Big Bang Theory“) und Sam Claflin (39, „Ein ganzes halbes Jahr“) vor der Kamera.
Matthias, wie ist das Projekt „Vanished“ zu dir gekommen?
Matthias Schweighöfer: Einer der Produzenten, David Kosse, war früher International Head of Netflix – mit dem habe ich damals das Franchise Army of the Dead gemacht. Er rief mich irgendwann an und sagte: „Hey Matthias, hast du Lust, eine Serie zu machen?“ Ich: „Erzähl! Worum geht’s?“ Und dann war ich dabei. Ich habe mich kurz mit Barnaby Thompson, dem Regisseur, in Paris getroffen. Und dann hat er gesagt: „Okay, let’s do it.“
Was hat dich am Stoff und an der Figur gereizt?
Matthias Schweighöfer: Erstens fand ich toll, mit Kaley Cuoco zu arbeiten, mit Sam Claflin und mit Barnaby. Ich mochte die Serie, weil ich den Stoff schon kannte – David hatte mir damals bereits das Drehbuch für einen 90-Minüter geschickt, bevor daraus eine Serie wurde. Und ich mochte, dass meine Figur so ein Sympathieträger ist – mit einem Fragezeichen: Ist er wirklich einer? Das fand ich eine schöne Kombination. Außerdem wollte ich schon immer mal den besten Freund von Sam Claflin spielen.
Wie war der Dreh mit Kaley Cuoco – und gibt’s eine besondere Anekdote von eurer ersten Zusammenarbeit?
Matthias Schweighöfer: Ja, Kaley ist einer der lustigsten Menschen, die ich kenne. Ich bin in einem Auto an ihr vorbeigefahren, und sie schickte mir direkt eine SMS: „Das ist aber ein sehr trauriges Auto, was du da fährst.“ Was ich persönlich sehr lustig fand. Und Kaley war immer so hands-on … sie hing wenig in ihrem Trailer, sondern war immer beim Team und wühlte sich mit allen durch den Dreck. Aber auch mit Sam war’s toll – wir sind beide Väter und haben viel über Erziehung geredet.
Nach „Army of the Dead“, „Army of Thieves“, „Heart of Stone“ ist “Vanished“ ein weiterer Meilenstein deiner internationalen Karriere. Sind das planbare Schritte, oder entwickelt sich das alles organisch?
Matthias Schweighöfer: Die Entwicklungs- und Finanzierungsprozesse für internationale Filme dauern manchmal ein bisschen länger. Jetzt hatte ich das Glück, dass David auf mich zukam und mir „Vanished“ angeboten hat. Wenn ich selbst Regie führe, gucke ich genau, welchen Stoff ich als Nächstes mache und warum. Mein Motto ist, dass weniger mehr ist. Bestimmte Dinge kann man schon ein bisschen vorgreifen und strukturieren. Aber so was wie „Vanished“ kann auch aus heiterem Himmel kommen. Darüber habe ich mich sehr gefreut.
Wie hat sich der internationale Blick auf dich verändert?
Matthias Schweighöfer: Das ist tatsächlich irre. Genauso wie mit „Brick“ – ich war jetzt lange in Brasilien, und es ist schon crazy, wie die Leute einen erkennen. Genau wie in Mexiko oder in Paris. Durch die großen Streaming-Plattformen ist selbst für lokale Stoffe das internationale Interesse so groß, dass der Markt richtig aufgeht.
Mario Adorf hat mir kürzlich erzählt, warum er damals in Hollywood nicht reüssiert hat: Hollywoodstars seien Allrounder – nicht nur Schauspieler, sondern auch Artisten, Sänger und obendrein Tänzer. Als Deutscher sei es damals irre schwer gewesen, da mitzuhalten. Hat sich das geändert?
Matthias Schweighöfer: Gute Frage. Was Hollywood, glaube ich, verlangt, ist, dass du ein größeres Spektrum an Entertainment liefern musst. Wenn du in eine Show gehst, geht es darum, dass die Tonight Show toll ist. Wenn du einen Film rausbringst, muss das Herausbringen an sich schon entertaining sein. Jedes Piece, das für die Entertainmentwelt bestimmt ist, muss man so behandeln – mit der größtmöglichen Idee. Und das ist einfach, was einen da drüben erwartet.
Das sind Kernkompetenzen, die aber in deiner DNA liegen – richtig beobachtet?
Matthias Schweighöfer: Ja, mir macht das wirklich Spaß. Wenn ich mich für einen Beruf entscheide, bei dem es darum geht, etwas für Leute zu machen, dann ist es natürlich schön, das auch wirklich für die Leute zu machen. Ich liebe Timings, Rhythmus, Choreografie – das ist voll mein Ding.
Was sind deine nächsten Projekte?
Matthias Schweighöfer: Nach „Vanished“ kommt „Play Dead“. Den habe ich mit Regisseur Jaume Collet-Serra gedreht, der „Black Adam“, „Carry On“ und „House of Wax“ gemacht hat. Produziert hat Sam Raimi. Der Film wird dieses Jahr anlaufen – ob Kino oder Streaming, weiß ich noch nicht. Außerdem ich drehe meinen eigenen nächsten Film als Regisseur, der ist gerade in der Pre-Production. Dreh ist im Spätsommer.
Und wie schaffen die Amerikaner es, deinen Nachnamen „Schweighöfer“ richtig auszusprechen?
Matthias Schweighöfer: (lacht) Die sagen einfach „Matt“.
Wie viel Zeit muss man als deutscher Schauspieler realistisch in Hollywood verbringen, um ein starkes Netzwerk aufzubauen?
Matthias Schweighöfer: Das kommt drauf an. Entweder machst du einen Film aus Europa raus, der ist bei den Oscars, und die Welt liegt dir zu Füßen. Ich habe mich noch mal stärker fürs Filmemachen, Regie und Finanzierung interessiert – dadurch waren es bei mir sieben, acht Jahre Investment. Als wir „Army of the Dead“ gedreht haben, hat es sich fast so angefühlt, als würde man wieder bei null anfangen. Und das ist das Schöne: Es weckt so meinen Ehrgeiz.
Mit wem würdest du gern einmal international drehen?
Matthias Schweighöfer: Leonardo DiCaprio würde mich echt interessieren. Brad Pitt fände ich cool. Und als Regisseure: Alfonso Cuarón, Martin Scorsese, Wes Anderson – das gibt‘s schon ein paar.
Kannst du schon etwas über „Play Dead“ verraten?
Matthias Schweighöfer: Es geht um einen englischen Soldaten, der nach Hause will und in einer Scheune feststeckt. Dort trifft er auf mich und mein Team. Und er muss 100 Minuten lang versuchen zu überleben – allein, indem er tot spielt.
In welcher Stadt sollte es eines Tages rein hypothetisch eine „Matthias-Schweighöfer-Straße“ geben?
Matthias Schweighöfer: Allein wegen des Namens: in Los Angeles! Stell dir das mal vor – die Uber-Fahrer, die da hinnavigieren müssen. Per Sprachsteuerung: „Wo wollen Sie hin?“ – „Schweighöfer Street!“ Das wäre schon sehr funny.
Zum Schluss noch ein paar schnelle Entweder-Oder-Fragen: Reist du lieber perZug à la „Vanished“ oder Flugzeug?
Matthias Schweighöfer: Flugzeug.
Gang- oder Fensterplatz?
Matthias Schweighöfer: Gang.
Schurke oder Sympathieträger – was reizt dich mehr?
Matthias Schweighöfer: Momentan Schurke. Man kann einfach mehr Sachen machen.
James-Bond-Gegenspieler - Traumrolle oder bloß eine nette Fantasie?
Matthias Schweighöfer: Eindeutig eine Traumrolle!!! Hallo?