Deutschland ist Opern-Weltmeister. Kein anderes Land leistet sich so viele Opernhäuser, so viele Aufführungen, so hohe Subventionen. Die Kosten explodieren, doch das Publikum schrumpft. Während Milliarden in Neubauten und Sanierungen fließen, verliert die Kunstform immer mehr an Zustimmung: Inszenierungen polarisieren, und die Frage wird immer lauter: Hat Oper noch Zukunft oder ist sie ein teures Kulturmissverständnis? Kaum eine Kunstform wird so heftig infrage gestellt und zugleich leidenschaftlich verteidigt wie die Oper. In Deutschland existieren mehr als 80 öffentlich finanzierte Opernhäuser, ein Drittel aller Opernhäuser weltweit. Oper ist kulturelles Aushängeschild - und finanzpolitisches Reizthema. Katty Salié geht der Frage nach, warum wir uns Oper überhaupt noch leisten. Sie ist dabei, wenn die Kölner Oper nach über einem Jahrzehnt Sanierung wiedereröffnet wird. Aus den ursprünglich angedachten 250 Millionen Euro Umbaukosten sind rund 1,4 Milliarden geworden. Kaum ein Projekt steht so sinnbildlich für kommunale Planungsprobleme, den Kampf um Kulturfinanzierung und die Frage, für wen Oper heute überhaupt gemacht wird. Eine Bestandsaufnahme zwischen Baustellen und Bühnen, Traditionspflege und Innovation, Regietheater und Nachwuchshoffnung. Die Sendung begleitet Sänger, Intendanten und Regisseure an zentralen Opernstandorten, so auch in Hamburg zur ersten Spielzeit des neuen Intendanten Tobias Kratzer. Er möchte zeigen, "was Oper alles kann". Gelingt es ihm, mit einer innovativen Programmierung und neuen Inszenierungen Oper aus der Nische zurück ins Herz der Stadt zu holen? Kann er die Oper mit neuen Ideen wieder für mehr Menschen in der Stadt relevant machen? In Amsterdam passiert das schon seit zehn Jahren. Dort denkt man ganz anders über Oper und Musiktheater nach als in Deutschland. 50 Prozent der Projekte sind Experimente, die Menschen ansprechen sollen, die sonst keine klassischen Operngänger sind.