In der sechsteiligen Krimiserie „Das Vergessen: Spurlos im Moor“ verändern ein Mord und eine erschütternde Diagnose das Leben von Ermittlerin Pia Kraus grundlegend. Hauptdarstellerin Julia Koschitz erzählt von ihrer Annäherung an die Rolle und von einer Geschichte über Erinnerung, Identität und Zusammenhalt.
Es ist ein Fund, der alle Hoffnungen zunichtemacht: Sechs Monate nach ihrem Verschwinden wird die 17jährige Amelie, Nichte von Ermittlerin Pia Kraus (Julia Koschitz), nahe ihres österreichischen Heimatdorfs ermordet im Moor entdeckt. Doch damit nicht genug: Die Familie erfährt außerdem, dass Amelie kurz vor ihrem Tod ein Kind geboren hat. Pia setzt alles daran, den Mörder zu überführen und das Baby zu finden.
Zugleich kämpft die zweifache Mutter mit einem weiteren Albtraum: Bei Pia wird eine frühe Form von Alzheimer diagnostiziert. Ihr bleibt nur wenig Zeit, bevor all ihre Erinnerungen verblassen. Die sechsteilige Krimiserie „Das Vergessen: Spurlos im Moor“ erzählt von einer verzweifelten Ermittlerin und ihrem Kampf gegen die verheerende Krankheit. Mit aller Macht versucht Pia trotz der Diagnose, den Fall um ihre Nichte aufzuklären und gleichzeitig für ihre Kinder und Ehemann Jonas (Matthias Koeberlin) da zu sein.
„Die Geschichte zeigt eine Frühdemenz, die in dieser speziellen Form schnell voranschreitet“, sagt Julia Koschitz im Interview mit HÖRZU. „Deshalb ist es ein Wettlauf gegen die Zeit und ihr Gedächtnisvermögen, mit der Frage, ob sie überhaupt in der Lage ist, die Ermittlung fortzuführen.“ Koschitz setzte sich zur Vorbereitung auf die Rolle intensiv mit der Diagnose auseinander und sprach mit einer Psychiaterin sowie mit Angehörigen von Betroffenen. „Die Folgen der Krankheit gehen ja weit über den Erinnerungsverlust hinaus“, sagt sie. Fehlender Orientierungssinn, Depressionen und Aggressionen seien nur ein Teil möglicher Symptome. „Was mich sehr beschäftigt hat, war die übergeordnete Frage: Wer bin ich ohne meine Erinnerungen?“
Von September bis Dezember 2025 stand das Team in Wien und Oberösterreich für die Serie vor der Kamera. Für Koschitz ein Heimspiel: Die Tochter Wiener Eltern wuchs Wahl-Münchnerin. „Die österreichische Sprache ist für mich aber deutlich vertrauter als Hochdeutsch und in der Geschichte auch ein schönes Mittel, um die Figur zu verorten und zu charakterisieren.“
Julia Koschitz stellt in der Serie einmal mehr ihre Vielseitigkeit unter Beweis. Dass die 51-Jährige zu den gefragtesten Darstellerinnen des Landes gehört, zeigt auch ihre TV-Präsenz. Am 19.10. war sie als Mutter eines rebellischen Teenagers in „Das verschwundene Kind“ zu sehen. „Ich bin immer dankbar dafür, wenn gute Leute mit mir arbeiten wollen“, sagt Koschitz. „Die Programmplanung legen andere fest – ich habe eher die Angst, dass die Zuschauer übersättigt sein könnten von mir.“ Bei so viel schauspielerischer Strahlkraft dürfte diese Sorge unbegründet sein.
Die ersten vier Folgen von „Das Vergessen: Spurlos im Moor“ zeigt die ARD heute ab 20.15 Uhr. Die Folgen 5 und 6 werden morgen ab 21.45 Uhr ausgestrahlt. Sie sind auch in der ARD-Mediathek abrufbar.