Exklusiv: Warum die Krimireihe 19 Wochen Sommerpause macht, wie’s dann weitergeht und wer auf der Kippe steht.
Wer derzeit sonntags um 20:15 Uhr Das Erste einschaltet und auf frische „Tatort“-Fälle hofft, wird enttäuscht. Statt eines neuen Krimis erwartet die Fangemeinde nur einer aus der Konserve. Schon mit dem Schweizer Fall „Könige der Nacht“ hat sich der „Tatort“ am 3. Mai nämlich in die Sommerpause verabschiedet – fast sechs Wochen vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft am 11. Juni. Und erst am 13. September kehrt die Reihe mit neuen Folgen zurück. Zwar sind Sommerpausen üblich – aber warum gibt es diesmal ganze 19 Wochen keine Krimipremiere? Auf Nachfrage von HÖRZU liefert die ARD eine dürre Erklärung: „Die längere Sommerpause ist eine einmalige Ausnahme aus planerischen Gründen“, so Sprecher Lars Jacob. Eine Reduzierung des Sendeplatzes sei damit nicht verbunden.
Hol dir die besten TV-Tipps direkt aufs Handy – mit unserem WhatsApp-Channel. Jetzt kostenlos über diesen Link abonnieren.
Ist das wirklich so? Und wie steht es generell um die Krimireihe? HÖRZU hat die Quoten der aktuellen Saison (14. September 2025 bis 26. April 2026) analysiert. Schon der erste Blick auf die Zahlen zeigt, wie weit die Schere zwischen Top und Flop auseinandergeht. Spitzenreiter war der Münsteraner „Tatort: Die Erfindung des Rades“ am 7. Dezember mit stolzen 11,63 Millionen Zuschauern. Ganz unten stehen desaströse Quoten: Am 28. Dezember rutschte der „Tatort: Murot und der Elefant im Raum“ mit Ulrich Tukur unter die Fünf-Millionen-Marke. Nur 4,95 Millionen schalteten bei der linearen Erstausstrahlung um 20:15 Uhr ein. Top und Flop trennen also über 6,6 Millionen Zuschauer.
Der aktuelle Saisonschnitt der Krimireihe liegt bei Redaktionsschluss denn auch nur noch bei 7,68 Millionen. Zum Vergleich: In der Vorsaison 2024/25 waren es noch 8,12 Millionen. Zu diesem Rückgang sagt Lars Jacob gegenüber HÖRZU, er werde durch die wachsende Mediathekennutzung weitgehend aufgefangen, und der Marktanteil liege weiter stabil bei rund 30 Prozent. Stimmt fast – denn wahr ist auch: Die absoluten Zuschauerzahlen bei der linearen Ausstrahlung am Sonntagabend sinken. Selbst in der ARD-eigenen Kalenderjahresrechnung, die mit der sogenannten „finalen Gewichtung“ auch Zuschauer berücksichtigt, die eine Sendung innerhalb von wenigen Tagen zeitversetzt über Aufnahmen oder Streaming etwa in der Mediathek gesehen haben, bröckelt der Schnitt: von 8,55 Millionen (2024) über 8,31 (2025) bis 8,10 (bis Mitte April 2026).
HÖRZU recherchierte zudem exklusiv: Der „Tatort“ wird teurer. Ein 90-Minüter kostete die ARD 2023 noch ca. 1,94 Millionen Euro – heute sind es laut Sprecher Jacob ca. 2,1 Millionen, also acht bis zehn Prozent mehr. Hat die lange Sommerpause auch Kostengründe? Und wie geht’s danach weiter? Jacob verrät nur so viel: In diesem Jahr werde es noch 14 „Tatort“-Erstausstrahlungen geben – womit die Reihe 2026 insgesamt auf 30 Premieren kommt. 2025 waren es 36. Offiziell habe das nichts mit Quotenschwund und Sparzwang zu tun, sondern sei „ein Planungseffekt“. Was das genau heißt, erklärte die ARD auf Nachfrage nicht.
Versöhnlich stimmt, dass in der Saison 2026/27 neue Teams antreten: in München etwa Ferdinand Hofer und Carlo Ljubek als Nachfolger von Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec, in Kiel Karoline Schuch als Nachfolgerin von Axel Milberg. Lars Jacob betont zudem, das Frankfurt-Team um Edin Hasanovic und Melika Foroutan sei vergangene Saison erfolgreich gestartet. Die Quote, so Jacob, sei im Übrigen „nicht das einzige Kriterium“, eine ebenso große Rolle würden auch „Regionalität, Vielfalt, Originalität“ spielen.
„Tatort: Schweigen“ (Wiederholung eines Falls von 2024) läuft heute, am 17. Mai 2026, um 20:15 Uhr im Ersten.